Metamorphose

Soeben habe ich die siebenundzwanzigste Umzugskiste gepackt. Die Wohnung sieht schon bald asketisch, -  fast klösterlich aus: Keine Bilder mehr an den Wänden, keine Vorhänge, keine Engelchen und Schnickschnack. Grosse klare kühle Flächen. Auch das hat was! Dieser ganze Umzug erscheint mir als eine große Metamorphose auf allen Ebenen.

In vier Tagen ist Schlüsselübergabe und ich kann in der neuen Wohnung anfangen zu renovieren, - und in genau zwei Wochen ziehe ich um. Das ist alles so aufregend!

Symbolisch erscheint es mir wie eine Neugeburt. In den letzten Wochen und Tagen geht es allerdings erst mal ums Loslassen der alten Wohnung und der Lebensphase, die ich hier verbracht habe. Und die darf nun “sterben”. Man sagt ja, dass kurz vor dem Tod das ganze Leben noch mal an einem vorbeizieht, - so ist es hier auch. Allerdings zeigen sich hauptsächlich die Themen, die auch nun wirklich “sterben” dürfen. Ein altes Haus ist eben nicht nur romantisch und charmant: In den letzten Tagen hatten wir in kurz auf einander folgendem Tempo - Schlag auf Schlag - einen Heizungsrohrbruch, Wasser wurde abgestellt über zwei Tage, keine Heizung, fünf tote Ratten im Hinterhof, den Einbau einer Brandschutztür im Dachgeschoss (das Wegstemmen von Eisenträgern und Durchschneiden von Beton ergab eine unglaubliche Lärmbelästigung), das erneute Aufbuddeln des Bürgersteigs direkt vor der Tür durch Netcologne und die Neueröffnung der Kneipe direkt unter meinem Schlafzimmerfenster!!!

Auf der Arbeitsebene geht eine Astrologiegruppe noch vor meinem Auszug zu Ende. Heute beginnen die Abschlussprüfungen. Ein Schauspielschüler hat mit meiner Unterstützung die Prüfung in Salzburg bestanden und hat schon dort mit dem Unterricht begonnen. Eine Schauspielerin die ich seit längerer Zeit coache, hat endlich die ersehnte Hauptrolle in einer Serie beim ARD bekommen und zieht aus Köln weg. Also auch hier gehen Zyklen zu Ende - hier allerdings sehr erfreulich, was man über das alte Haus nicht sagen kann…

“Sternenzauber”, das Sonntagnachmittagsevent, dass wir über sechs Monate gespielt und erarbeitet haben: zu Ende…

Auf der persönlichen Ebene löse ich mich parallel dazu erneut und auf tiefer Ebene von alten Mustern und Strukturen aus früher Kindheit, werde dabei bestens von spirituellen Helferinnen unterstützt.

In diesen fünfzehn Jahren ist sehr viel Schönes und Schlimmes in meinem Leben gewesen. Als ich vor fünfzehn Jahren eingezogen bin, wurde ich wenige Wochen später Intendantin vom “Theater der Keller” und errang mit meiner ersten Inszenierung den großen Theaterpreis. Zwei Jahre stand ich positiv in den Schlagzeilen der Tageszeitungen. Es gelang immer wieder, dass Inszenierungen hochgelobt und für Preise nominiert wurden. Gleichzeitig bereitete sich dennoch der Sturz aus der Höhe vor. Durch Machenschaften, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte (vorbei ist vorbei), hatte ich das Theater bereits hoch verschuldet übernommen. Immer neue Rechnungen aus alten Zeiten tauchten auf. Ich selbst hatte wenig kaufmännisches “Know how” und niemanden unterstützend auf meiner Seite. Dazu kam meine eigene künstlerische Sturheit, mein unbeugsamer Eigensinn (ich sehe das als Qualität, auch heute noch), keine kommerzielle Linie zu bedienen, sondern schwierige und experimentelle Theaterstücke mit sehr besonderer künstlerischer Handschrift zu inszenieren. Das war kein Theater für die Masse und wollte es auch nicht sein. So kam es, dass wir langsam und immer schneller finanziell auf einen Konkurs zu steuerten. Man hatte in mir einen “Schuldigen” entdeckt, den man nun bestrafte. Ich diente als Sündenbock und wurde entlassen. Obwohl ich im Rechtsstreit, der darauf folgte in erster Instanz gewann, hatte ich keine Kraft und kein Geld mehr, nachdem ich in zweiter Instanz verlor, weiter zu prozessieren. Macht und Ohnmacht hatte ich also dramatisch erlebt mit allem Drum und Dran, Nervenzusammenbruch, Enttäuschung, Burnout…

Mit dem Theater habe ich allerdings erst einmal weiter gemacht. Ich konnte noch viele schöne Inszenierungen an anderen Kölner Theatern machen, unter anderem “Das Käthchen von Heilbronn” und “Penthesilea” von Heinrich von Kleist in eigener Bearbeitung und in der Orangerie mit dem Atlantis-Theater ein Kunstmärchen aus der Romantik: “Der Goldene Topf” nach E.T.A.Hoffmann.
In diesen Jahren, die ich hier verbracht habe, machte ich später parallel zur Theaterarbeit eine langjährige und fundierte Ausbildung zur tiefenpsychologischen Körpertherapeutin und nach Ablegen der Prüfung beim Gesundheitsamt zur Heilpraktikerin (Psychotherapie) eröffnete ich meine eigene Praxis. Es folgten neue Jahre der Selbstständigkeit als Therapeutin, psychologische Astrologin und Schauspielcoach. Und es folgte eine weitere Prüfung beim deutschen Astrologenverband, die ich ebenfalls mit Erfolg bestanden habe, sodass ich nun den Titel tragen darf: Geprüfte Astrologin DAV.

In all den Jahren begleiteten mich meine beiden Katzen, die ich als Babys aus dem Tierheim holte und die nun dreizehn Jahre alt sind und den Umzug mitmachen werden. Und am Ende dieser langen Lebensphase starb im Dezember 2008 meine Mutter. Der Trauerprozess, der folgte hat mich tief berührt. Nun war auch der Startschuss gegeben für das Thema Loslassen. Ich verkaufte das Haus meiner Mutter in der Schweiz. Dabei bekam ich viel Hilfe und Unterstützung, was ich mit großer Dankbarkeit annehmen durfte. Und so war nun die Möglichkeit auch finanziell gegeben, einen schöneren, passenden Ort zum leben und arbeiten zu suchen und zu finden.
So ändert sich viel und es wird ein heller einladender Raum für Neues frei.

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