Abgründe und Höhenflüge

Patay.jpgTine und ich steigen in den Proben immer mehr in die Tiefen der Jeanne d’Arc - Thematik ein. Und mit uns beiden macht das natürlich auch etwas. Gestern und heute ging es um Gewalt, Demütigung, Verletzbarkeit, Mordlust, Blutrausch - um menschliche Abgründe.

Der Text von Schiller verlangt Mut zur Grösse. Fordert uns heraus. Mit Müh und Not aber auch mit Vertrauen, Liebe und innerer Verpflichtung steuern wir unser kleines Schiffchen durch den Strom. Und ich bin dankbar und glücklich, eine Schauspielerin gefunden zu haben, die mir ein wirkliches kraftvolles Gegenüber bietet.

“Ein Schlachten wars, nicht eine Schlacht zu nennen!”

Wie sagt man zum Beispiel so einen Satz? Wir hinterfragen den Text, die Situation, erwägen unsere Gedanken und Gefühle dazu, bis wir schliesslich eine Entscheidung treffen, eine Entscheidung, die für uns beide die einzig richtige ist und die wir vertreten können.

Höhenflüge erleben wir, wenn sich der künstlerische Ausdruck befreit. Dann geschieht es, dass das geschriebene Wort lebendig und authentisch wird. Es findet sich die Stimme, der Körper mit der Seele zusammen und wir erleben das Glück, nicht mehr zu suchen, sondern zu FINDEN.

Daneben gibt es leider (!) etliche Dinge zu regeln, die einfach eben auch zu organisieren sind. Kostüme, Werbung, Verträge und, und, und…Diese Nebenschauplätze rauben uns manchmal viel zu viel Zeit, Nerven und Energie. Der Druck, der auf uns beiden ruht, ist enorm. Morgen entscheiden wir, ob wir vielleicht doch noch zwei Vorstellungen mehr machen. Ein Risiko. Sollen wirs eingehen? - Niemand weiss, ob wir das Theater voll kriegen oder nicht. Wenn nicht, tragen wir die Kosten.

Und ich glaube, wir werden es riskieren…

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