Freiheit und Bindung

Wieder ein warmer Sommermorgen. Wie ich den Sommer liebe! Grippe hin oder her!

Seit Jahren frage ich mich, warum ich eigentlich im kalten Deutschland lebe und nicht in ein wärmeres Land auswandere. Früher hatte ich die Ausrede als Theatermacherin und Sprachliebende mit der Notwendigkeit, im deutschsprachigen Raum zu arbeiten. Da ich nur noch selten inszeniere, - jedenfalls zur Zeit - , kann diese Ausrede nicht mehr geltend gemacht werden. - Sind es die Wurzeln? Die Notwendigkeit der Wurzeln, Zugehörigkeit, die sich über Zeit und Gewohnheit aufgebaut hat? Ich muss das überdenken.

Freiheit und Bindung - das sind zwei Pole, um die sich mein Leben immer wieder dreht. Freiheit bedeutet, jederzeit die Zelte abbrechen zu können, zu neuen Ufern aufzubrechen, Veränderung zuzulassen. Und das konnte ich in meinem früheren Leben zu gut. Immer auf der Durchreise, mit einem Koffer in der Hand habe ich dreissig Jahre als freischaffende selbstständige Regisseurin mein Leben verbracht.

Was mir fehlte, war Zugehörigkeit, Bindung.

Kein eigentliches Zuhause ausser für ein paar Monate mit einer Theatergruppe, einem Dichter, einem Stück oder mit einem meiner flüchtigen Liebhaber. In diesen Monaten allerdings war die Bindung total und abgrundtief. Und dann jedesmal kam die Trennung, ein schneller schmerzlicher Abschied, ein tiefes Loch, Leere, eine Phase der Orientierungslosigkeit und die Suche nach einem neuen Abenteuer. Ich glaube während einem grossen Teil meines Lebens war ich eine Abenteurerin.

Dann veränderte ich mein Leben und wurde sesshaft, schuf mir ein Stück Heimat, Sicherheit, Verbindlichkeit über zwanzig Jahre in Köln, eine Wohnung, in der ich mich ausbreitete, an die ich mich gewöhnte, lange Freundschaften, zwei mittlerweile zehn Jahre alte Katzen, grosse Holzschränke und Möbel, die einen Umzug erschweren.

Früher bin ich dauernd umgezogen: Kassel, Braunschweig, Münster, Stuttgart, Zürich, Basel, Reutlingen, Esslingen, Luzern, Hamburg, Göttingen, Köln, Wilhelmshafen.  Das war leicht, da ich aus einem Koffer lebte.

Wo stehe ich? Ich habe das Gefühl eine Standortbestimmung machen zu wollen. Steht wieder eine Veränderung an? Ich ahne es. Welche? Wohin? Ich warte auf ein Zeichen, auf meine innere Stimme, mein höheres Selbst. 

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